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Jan Fietz
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Produkt für den europäischen Reserveenergiemarkt

Eigenständiges Produkt für den europäischen Regelreservemarkt: Primär-, Sekundär- und Tertiärreserve inklusive nordischer Varianten — für Wind, Solar, BESS, Hybrid und steuerbare Verbraucher.

Kunde
Quantec Systems, Scada International, Opoura GmbH
Rolle
Umsetzung der Markt- und Steuerschnittstellen · Koordination der produktübergreifenden Integration
Zeitraum
Produktivbetrieb in DK, SE, PL
C++ FCR / aFRR / mFRR / RR Energinet PSE BESS Hybrid-Parks Cloud-native ENTSO-E Erneuerbare Energien

Ausgangslage

Die zunehmende Einspeisung aus erneuerbaren Energien verändert nicht nur den Strommarkt, sondern auch den Bedarf an Systemdienstleistungen. Reserveenergie — die kurzfristige Bereitstellung von Leistung zur Frequenzstabilisierung des Stromnetzes — wird in Europa zunehmend über harmonisierte Märkte gehandelt, sowohl für Primär- als auch für Sekundär- und Tertiärreserve.

Mit dem Eintritt in diesen Markt wollte das Unternehmen sein Produktportfolio gezielt erweitern und die eigene Reichweite in Europa ausbauen. Das Ergebnis ist ein eigenständiges Produkt, das ausschließlich auf den Regelreservehandel ausgerichtet ist — ein klares Profil neben der bestehenden Lösung für die Baseline-Vermarktung von Erzeugungsanlagen. Bis zu meinem Ausscheiden war das Produkt in Dänemark, Schweden und Polen produktiv im Einsatz.

Herausforderung

Reserveenergiemärkte stellen Anforderungen, die deutlich über die der reinen Direktvermarktung hinausgehen:

  • Vollständige Produktabdeckung: Primärreserve (FCR sowie die nordischen Varianten FCR-N Up/Down, FCR-D Up/Down und FFR), Sekundärreserve (aFRR, mFRR) und Tertiärreserve (RR) — jedes Produkt mit eigenen technischen und regulatorischen Anforderungen.
  • Heterogene Asset-Basis: Das System muss Wind- und Solaranlagen ebenso wie Batteriespeicher (BESS), Hybrid-Konfigurationen und reine Verbraucher marktfähig machen — Asset-Klassen mit sehr unterschiedlichen Reaktionszeiten, Leistungsprofilen und Steuerungslogiken.
  • Marktspezifika je Land: Während FCR weitgehend europäisch harmonisiert ist, sind aFRR, mFRR und RR national geprägt. Jede Markterweiterung verlangt Anpassungen an die jeweilige TSO-Schnittstelle und die nationalen Präqualifikationsregeln.
  • Integration ins eigene Portfolio: Das Produkt muss sich nahtlos mit der hauseigenen Trading-Plattform ETMP, dem hauseigenen SCADA-System OneView und den hauseigenen Park-Reglern für gemischte Anlagenparks verzahnen — und gleichzeitig anschlussfähig an externe Systeme bleiben.

Meine Verantwortung

Über die bewährte Basis der Datenerfassungs-Plattform habe ich die Markt- und Steuerschnittstellen dieses Produkts umgesetzt und die produktübergreifende Integration koordiniert:

  • Implementierung der Schnittstellen zu Grid-Controllern, Bilanzkreisverantwortlichen (BRP) und Übertragungsnetzbetreibern (TSO) — darunter Energinet in Dänemark und PSE in Polen.
  • Anbindung interner Systeme: Schnittstellen zu ETMP, OneView und den hauseigenen Park-Reglern für gemischte Anlagenparks.
  • Anbindung externer Steuereinheiten: Integration von Fremd-Parkreglern und Steuersystemen verschiedener Marktteilnehmer.
  • Koordination der produktübergreifenden Integration: Zusammenarbeit mit den Teams hinter den anderen Produkten des Firmenportfolios, um eine konsistente Gesamtlösung sicherzustellen.
  • Marktfähigkeit für alle relevanten Asset-Klassen: Wind, Solar, BESS, Hybrid-Konfigurationen und Verbraucher — jeweils mit den asset-spezifischen Anforderungen an die Regelreserve-Erbringung.

Architekturentscheidungen mit Geschäftswirkung

Wiederverwendung der bewährten Plattformbasis

Das Produkt ist nicht auf der grünen Wiese entstanden, sondern setzt auf den bewährten Konzepten und Technologien der Datenerfassungs-Plattform auf. Diese Entscheidung verkürzte die Time-to-Market deutlich, sicherte produktive Stabilität von Tag eins und ermöglichte es, die Engineering-Kapazität auf die eigentlich neuen Anforderungen zu konzentrieren — Marktprodukte, Präqualifikations-Anforderungen und länderspezifische Eigenheiten.

Vollständige Produktpalette statt Inselabdeckung

Statt sich auf einzelne Reserveprodukte zu beschränken, deckt die Lösung das gesamte Spektrum ab: FCR inklusive der nordischen Varianten, aFRR, mFRR und RR. Damit kann derselbe technische Stack je nach Markt und Asset-Klasse passend konfiguriert werden — statt für jedes Produkt eine eigene Lösung zu bauen.

Asset-agnostischer Ansatz

Wind, Solar, BESS, Hybrid und Verbraucher unterscheiden sich technisch erheblich — ein BESS reagiert in Millisekunden, eine Windanlage in Sekunden, ein Verbraucher folgt eigenen Logiken. Die Architektur abstrahiert diese Unterschiede so, dass auf Marktseite konsistente Regelreserve-Erbringung gelingt, ohne dass jeder Asset-Typ ein eigenes Produkt verlangt. Das war Voraussetzung dafür, dass auch Aggregations- und Hybrid-Anwendungsfälle wirtschaftlich abgebildet werden konnten.

Anschlussfähigkeit nach innen und nach außen

Die Integration in das eigene Produktportfolio macht das Produkt für Bestandskunden des Hauses unmittelbar nutzbar. Die parallel offene Schnittstelle zu externen Systemen erlaubt aber auch den Verkauf an Kunden, die andere Komponenten bereits etabliert haben. Dieses „Sowohl-als-auch” war strategisch wichtig, weil der Regelreservemarkt sehr heterogen aufgestellt ist.

Ergebnis

  • Produktiveinsatz: Bis zu meinem Ausscheiden in Dänemark, Schweden und Polen im Einsatz.
  • Produktabdeckung: Vollständige Palette der Regelreserveprodukte (Primär, Sekundär, Tertiär) inklusive der nordischen Spezifika.
  • Asset-Klassen: Wind, Solar, BESS, Hybrid und Verbraucher marktfähig gemacht.
  • Marktposition: Eigenständiges Produkt im Firmenportfolio, das die geografische und thematische Reichweite des Unternehmens spürbar erweitert hat.
  • TSO-Anbindungen: Operative Schnittstellen u.a. zu Energinet (DK) und PSE (PL).

Eingesetzte Technologien

  • Plattformbasis: Bewährte Architektur und Technologien der hauseigenen Datenerfassungs-Plattform (C++, multi-protokoll-fähig, cloud-native deploybar)
  • Reserveprodukte (ENTSO-E und nationale Varianten): FCR, FCR-N Up/Down, FCR-D Up/Down, FFR (Primärreserve), aFRR, mFRR (Sekundärreserve), RR (Tertiärreserve)
  • Marktpartner und Schnittstellen: Übertragungsnetzbetreiber (u.a. Energinet/DK, PSE/PL), Bilanzkreisverantwortliche, Grid-Controller, externe Parkregler
  • Asset-Typen: Wind, Photovoltaik, Batteriespeicher (BESS), Hybrid-Konfigurationen, steuerbare Verbraucher
  • Interne Integration: ETMP (Trading-Plattform), OneView (SCADA), hauseigene Park-Regler für gemischte Anlagenparks

Abgrenzung zu verwandten Projekten

Während das Vorgängerprodukt für die Baseline-Vermarktung von Erzeugungsanlagen ausgelegt war — mit Active-Power-Curtailment und, später, netzdienlichen Funktionen wie Frequenz- und Spannungsstabilisierung sowie Blindleistungsregelung — ist dieses Produkt ausschließlich auf den Reserveenergiehandel ausgerichtet. Beide Produkte teilen sich die technische Plattformbasis, adressieren aber unterschiedliche Märkte und Anwendungsfälle.

Worauf diese Erfahrung übertragbar ist

Diese Case Study steht für ein selten zu findendes Profil: tiefgehendes Verständnis des europäischen Regelreservemarkts in seiner gesamten Produktbreite, kombiniert mit der Fähigkeit, dieses Verständnis in produktiv eingesetzte Softwareschnittstellen zu TSOs, BRPs und sehr unterschiedlichen Asset-Klassen zu übersetzen — und dabei eine bestehende Produktlandschaft sinnvoll zu erweitern, statt sie zu duplizieren.